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Interview Arno Walter

Im Experteninterview, das im Stiftung Rechnen Newsletter erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen.

Ausgabe Juni 2015

Arno Walter ist Vorstandsvorsitzender der comdirect bank AG, Gründungsstifterin der Stiftung Rechnen. Der Betriebswirt und Bankkaufmann, ist seit Mitte März 2015 Vorstandsvorsitzender der Stiftung Rechnen.

Herr Walter, Sie haben eine Ausbildung zum Bankkaufmann und ein BWL-Studium abgeschlossen, wo hat mehr Mathematik drin gesteckt?
Gefühlt mehr im Bankkaufmann, durch das neue Thema Buchhaltung. Vom Arbeitsaufwand her, aber sicher im BWL-Studium.

Wieso haben Sie nicht direkt nach dem Abitur studiert?
Eigentlich wollte ich ja Maschinenbau studieren. Nach zwei Ferienjobs in der Bank, kam die Lust auf das Bankgeschäft und dann wollte ich mit einer richtigen Bankausbildung beginnen. Würde ich heute wieder so machen.

Der OECD Bildungsbericht, Pisa und Co. zeigen es: Die mathematischen Kompetenzen sind defizitär. Wurden Sie im Mathematikunterricht in der Schule gut auf Ausbildung und Studium vorbereitet?
Obwohl ich Mathematik als Leistungskurs hatte und Mathe mein Lieblingsfach war: Leider nein. Die praktische Komponente für das Leben hat vollständig gefehlt.

Wie waren Ihre MathematiklehrerInnen in der Schule?
Sehr unterschiedlich, aber eigentlich waren alle engagiert, Wissen zu vermitteln, wenn auch nur theoretisches Wissen.

Sie haben selbst Kinder. Wie erleben Sie den Mathematikunterricht heute?
Ehrlich gesagt: Wenn ich am Wochenende mit den Kindern lerne, habe ich das Gefühl, es hat sich in den letzten 35 Jahren nicht viel verändert. Aber vielleicht kommt das ja nach der 6. Klasse noch…

Nach Ihrem Studium haben Sie sich für einen Beruf im Bankensektor entschieden, warum?

Weil ich die Vielseitigkeit des Bankgeschäfts faszinierend finde. Jeder Mensch benötigt Bankdienstleistungen, aber die wenigsten Menschen in Deutschland kennen sich mit Finanzthemen aus. Und ohne Banken würde die Wirtschaft einfach still stehen.

Hand aufs Herz, wie viel Mathematik benötigen Sie in Ihrem Job?
Schon ziemlich viel, jeden Tag gibt es Dinge zu kalkulieren, zu bewerten, abzuschätzen. Und gehört die Logik nicht auch zur Mathematik?

Mathematik ist wichtig, um unsere Alltagsprobleme zu lösen: Wo rechnen Sie im Alltag genau nach?
Zum Beispiel bei Sonderangeboten im Supermarkt. Der Preis pro 100 g ist entscheidend, nicht das was auf der Packung steht. Oder aber auch bei Verträgen mit Zusatzleistungen je nach Laufzeit, z.B. beim Strom, den man ja auch schon über eine längere Zeit im Voraus fest kaufen kann.

„Mehr vom Leben durch Freude am Rechnen“ - stimmt das?
Definitv. Sei es, dass man den Rabatt bei einem Kauf für sich nutzen kann (sind 3 % Nachlass auf einen Betrag von 1.000 Euro besser als der 20 Euro Tankgutschein?) oder dass man bei einer längeren Autoreise mit den Kindern die Quersumme aus den Nummern auf den Autokennzeichen berechnet.

Was wünschen Sie sich für die Stiftung Rechnen? / Was wünschen Sie der Stiftung Rechnen für die Zukunft?
Das sie noch mehr Menschen, vor allem junge Menschen, den Weg zur Mathematik und den Spaß am Rechnen vermittelt. Und das sie dabei möglichst viele Partner und Unterstützer findet.

Zum Schluss noch ein Satz zum Vervollständigen: Die Welt ohne Mathematik wäre …nicht zu verstehen und ganz schwer einzuschätzen ;-)