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Interview Dr. Christine Bortenlänger

Im Experteninterview, das im Stiftung Rechnen Newsletter erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen.

Ausgabe April 2016

Frau Bortenlänger, Sie haben eine Ausbildung zur Bankkauffrau abgeschlossen sowie ein betriebswirtschaftliches Studium. Wo stand die Mathematik stärker im Fokus?

In beiden Fällen stand die Mathematik im Fokus – einerseits mit ganz konkret gefragten „Rechenaufgaben“ wie der Berechnung von Zinseszinseffekten oder der Aufstellung eines Businessplans. Andererseits war es in beiden Fällen wichtig, dass man ein Zahlengefühl entwickelt. Hier meine ich, dass man etwas abschätzen können sollte – zum Beispiel wie sich die Kreditlaufzeit verlängert, wenn man ein oder zwei Prozent niedrigere Tilgungsraten vereinbart.

Was hat Sie zu der Entscheidung bewogen, erst eine Bankbetriebslehre zu machen?

Meine Eltern haben darauf bestanden – das war quasi ein Deal: ich mache erst eine Banklehre und darf im Anschluss studieren, was ich möchte. Dazu muss man wissen, dass ich eigentlich Landwirtschaft studieren wollte, wovon meine Eltern damals leider nicht so überzeugt waren wie ich.

Mathematik ist überall und umgibt uns fortwährend. Wo wird Ihnen das besonders deutlich?

Im Alltag. Viele Menschen können ganz schlecht schätzen. Das beginnt schon mit der Frage, wie viele Menschen in einem Raum sind (bei einer Vortragsveranstaltung beispielsweise). Oder wie groß die Chance ist, im Lotto einen Sechser zu haben. Oder wieviel man monatlich sparen sollte, um auf ein konkretes Ziel hin eine bestimmte Summe Geld zur Seite gelegt zu haben.

Viele junge Menschen weisen heutzutage fehlende Grundkompetenzen, insbesondere in der Mathematik auf. Zudem kokettieren sie mit mangelhafter Rechenkenntnis. Worauf beruht das?

Keine Ahnung. Das halte ich für sehr naiv. Zahlen und die Mathematik begleiten viele von uns ein Leben lang – schlicht als Basis für unsere Entscheidungen.

Mathematik im Alltag – die wird zum großen Teil von Rechnern, Smartphones, Apps und Co. erledigt. Wofür sind mathematische Kompetenzen dann überhaupt noch wichtig?

Es spricht ja nichts dagegen, sich von der Technik unterstützen zu lassen. Doch auch dann muss ich wissen, mit was ich die Maschine füttere. Ich bin schon immer wieder erstaunt, dass selbst der Dreisatz nicht jedem Erwachsenen geläufig ist.

Wie dürfen wir uns Ihren Arbeitsalltag am Deutschen Aktieninstitut vorstellen? Und wie lassen Sie ihn idealerweise ausklingen?

Jeder Tag verläuft anders. Aber ganz generell sind meine Tage mit zahlreichen persönlichen Gesprächen verbunden – mit der Politik, mit Pressevertretern, mit Mitgliedsunternehmen und natürlich mit meinen Mitarbeitern. Im Vordergrund stehen dabei meist die Auswirkungen von Regulierung oder Ideen zur Entwicklung des Kapitalmarktes. Oftmals endet mein Arbeitstag mit einem dienstlichen Abendtermin. Oder ich mache noch etwas Sport.

Sie sind seit Februar 2016 Mathe-Botschafterin der Stiftung Rechnen. Was liegt Ihnen bei der Förderung des Rechnens besonders am Herzen?

Oftmals wird den Mädchen suggeriert, Mathematik sei etwas für Jungs. Das zu ändern wäre ganz wichtig.

Vervollständigen Sie bitte folgenden Satz: Die Welt ohne Mathematik wäre …

...eindimensional