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Interview Johann Beurich

Im Experteninterview, das im Stiftung Rechnen Newsletter erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen.

Ausgabe 02/2015

Johann Beurich

Johann Beurich studiert Mathematik im Bachelor und rappt Mathe-Formeln auf YouTube.

Johann, Du sagst, Du hast nie den Spaß am Rechnen verloren. Was glaubst Du woran das liegt?

Das ist der folgende Kreislauf: Wenn ich bis zum richtigen Ergebnis komme, dann motiviert das und wenn ich motiviert weiter mache, dann komme ich immer öfter zum richtigen Ergebnis. 

Wann wusstest Du, dass Du Mathe studieren willst?

In der sechsten Klasse sollte ich mal ein Selbstporträt zeichnen und im Hintergrund hab ich Zahlen gemalt, weil ich später etwas mit Mathematik machen wollte. Das hatte ich quasi schon immer als einen möglichen Weg im Hinterkopf und als dann das Abitur durch war, habe ich auch direkt angefangen Mathematik zu studieren.

Stand auch mal ein anderes Fach zur Debatte?

Ich habe mich natürlich auch nach links und rechts umgeschaut. Die Idee, Musiker zu werden, habe ich relativ schnell wieder verworfen. In Richtung Informatik oder Medieninformatik habe ich mich auch mal intensiv informiert und jetzt habe ich Informatik als Nebenfach. Da ich allerdings keine Lust habe, viele Fakten auswendig zu lernen, sind die meisten Fächer ausgeschieden.

Was sind Deine mathematischen Ziele?

Ich will einfach mal schauen, wie weit ich es schaffe. In der Schule ging für mich in Mathe alles mit links, jetzt im Studium merke ich doch, dass es schwierige mathematische Probleme gibt, die ich mir erarbeiten muss. Vielleicht komme ich irgendwann an den Punkt, dass ich in der aktuellen Forschung mitreden kann, aber ob es so weit reicht, ist noch nicht abzusehen.

Hast Du einen Mathematiker als Idol oder gibt einen Mathematiker, dessen Arbeit Du besonders interessant findest?

Es ist immer wieder erstaunlich, wenn man sich anguckt, was Carl Friedrich Gauß in der Mathematik alles entdeckt hat. Aber es gibt noch so viele andere Mathematiker und Themen, dass man da eigentlich keinen einzelnen hervorzuheben braucht.

Und welcher Bereich in der Mathematik fasziniert Dich besonders?

Eigentlich faszinieren mich alle Themenbereiche. Für meine Bachelorarbeit habe ich ein Thema aus der Funktionalanalysis, aber das ist eigentlich genauso spannend wie die restliche Mathematik auch.

Was machst Du, wenn Du bei einer Formel/Aufgabe nicht weiterkommst?

Erst mal schaue ich in Ruhe, ob vielleicht in den vorherigen Schritten schon ein Fehler steckt und mache mir klar, was ich eigentlich gegeben habe und letztlich machen will. Oftmals findet man auch noch einen anderen Ansatz. Letztlich komme ich auch weiter, wenn ich mal mit anderen darüber rede oder das Problem google.

Du hast die Freude am Rechnen nie verloren, aber wieso ist deiner Meinung nach Mathe bei vielen ein Angst- oder Hassfach?

Warum das so ist, weiß ich auch nicht genau, ich denke aber, dass es mit dem Matheunterricht zusammenhängt. Vielleicht wird Mathematik vom Lehrer oft ohne die nötige Begeisterung vorgetragen. Vielleicht liegt es auch daran, dass man in Mathe halt über die Jahre immer mehr Probleme bekommt, wenn man immer nur für die nächste Klassenarbeit gelernt hat, ohne die Inhalte wirklich zu verstehen. Letzten Endes liegt es vielleicht auch daran, dass im Unterricht oft sehr absurde Beispiele und Aufgaben dran kommen und wirklich wenig aus dem Alltag besprochen wird.

Du bist seit Anfang 2015 Mathe-Botschafter der Stiftung Rechnen, warum?

Weil ihr mich gefragt habt, ob ich mir das vorstellen könnte und ich mir kaum eine Chance entgehen lasse, irgendetwas mit Mathematik zu machen. 

Eine Botschaft der Stiftung Rechen lautet „Mathematik ist überall“. Hast Du ein Beispiel, wo das auch für Deinen Alltag gilt?

Ich schaffe es erstaunlich oft, Gespräche irgendwie auf mathematische Themen zu lenken – dadurch ist bei mir Mathematik sowieso Alltag. Aber zum Beispiel auch wenn ich meine YouTube-Videos schneide, ist es extrem hilfreich, wenn ich verstehe, wie ich eine Gradiationskurve interpretiere – denn letztlich basiert Video- und Fotobearbeitung auch auf mathematischen Methoden. Selbst hier ist zum Beispiel der Gaußsche Weichzeichner nach Carl Friedrich Gauß benannt.

Zum Schluss noch ein Satz zum Vervollständigen: Die Welt ohne Mathematik wäre …

das totale Chaos, denn dann gäbe es ja weder regelmäßige Gesetzmäßigkeiten noch ordentlichen Zufall.