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Interview Marcus Förster

Im Experteninterview, das im Newsletter der Stiftung Rechnen erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen. In dieser Ausgabe liegt der Fokus auf dem sportlichen Engagement von Marcus Förster, der mit jedem gelaufenen Kilometer an gemeinnützige Institutionen spendet.

Ausgabe Mai 2017

Herr Förster, Sie sind sehr sportlich. Wie oft oder wie viel laufen Sie pro Tag oder in der Woche?

Naja, was heißt sehr sportlich. Ich laufe sehr gerne und muss mir auch gewisse Ziele setzen, um mich zu motivieren, um diese auch zu erreichen. Die Frage ist eigentlich - warum mache ich diesen Ausdauersport?

Durch den Sport habe ich unheimlich viel über Disziplin, Zielsetzung, Zeitmanagement und Fokussierung gelernt. Die Eigenschaften konnte ich in meinem Beruf gut gebrauchen, und sie haben mich schon oft gerettet!

Im Normalfall treibe ich jeden zweiten Tag Sport. Wenn ich auf Wettkämpfe hintrainiere, kann es auch schon passieren, dass fünf Tage die Woche Training ansteht. Krafttraining, Dehnen, Radfahren oder auch Laufen. Wieviel dann gelaufen wird, kommt immer auf das Ziel an. Steht ein Marathon an, wird auch mehr als 70 km gelaufen.

Üben Sie noch andere Sportarten aus?

Ich wandere sehr gerne, fahre Mountainbike oder auch Rennrad. Das Schwimmen hab ich aufgegeben - ist einfach nicht mein Fall.

Nehmen Sie an Wettkämpfen teil? Wenn ja, welche und was war Ihr größter Erfolg?

Ja, ich nehme an Wettkämpfen teil, aber nicht aus dem Grund, einen der ersten Plätze zu erreichen, sondern meine Ziele, die ich mir selbst setze. Ein Ziel ist ein Traum mit einem Weg. Dieses Jahr wird ein Ziel sein, den Karwendelmarsch bzw. Karwendellauf mitzumachen. Hier wird über das 52 km lange Karwendelgebirge mit 2.300 Höhenmetern gelaufen.

Begleitet Sie jemand beim Training oder auch den Wettkämpfen?

Ja, meine Frau unterstützt mich, wo sie kann. Ob als Pacemaker auf dem Rad, wenn ich laufe, oder auch an der Strecke, um mich zu motivieren. Auch unser Hund ist sehr oft bei meinem Training dabei. Hier verknüpfe ich sehr gerne die Gassi- mit der Jogging-Runde. Er hat seinen Spaß dabei und wir stärken das Team Hund-Mensch.

Sie verbinden Ihr sportliches Hobby mit Engagement. Für jeden gelaufenen Kilometer spenden Sie an gemeinnützige Organisationen. Welche sind das?

Ich bin eine Zeitlang für WorldVision gelaufen, war dann aber auf der Suche nach einer kleineren Organisation, der ich was Gutes tun kann. Dadurch habe ich auch gemerkt, wie schwierig es sein kann, die richtige Organisation zu finden. Teilweise wird gar nicht geantwortet bzw. schon gleich hochgerechnet, wieviel an Spenden hereinkommt. Über movingtwice.com bin ich dann auf Stiftung Rechnen gestoßen, und wurde dort auch sehr herzlich "aufgenommen".

Warum engagieren Sie sich für die Stiftung Rechnen?

Mit der Stiftung Rechnen war von Anfang an eine sehr gute Wellenlänge vorhanden. Durch einen persönlichen handschriftlichen Brief und Wertschätzung nach jeder Spende ist das Engagement immer mehr gewachsen. Ich finde es wichtig, dass die Kinder und Menschen das Rechnen nicht den Computern überlassen, sondern merken, wie wichtig Rechnen im Leben ist und auch gebraucht wird.

Hat Ihnen Mathematik in der Schule eher Spaß oder Angst gemacht?

Ich hab Mathe in der Schule geliebt. Hat man auch deutlich im Abschlusszeugnis gesehen. Mathe ist und bleibt das einzige Fach, in dem man die Lösungen in den Prüfungen/Aufgaben gegenrechnen und überprüfen oder auch teilweise zeichnerisch nachstellen kann.

Wo oder wann rechnen Sie genau nach?

Das ist echt eine schwierige Frage, da ja das Rechnen für mich im Unterbewusstsein immer abgearbeitet wird. Das beginnt schon in der Frühe, wenn der Wecker geht, und man noch schnell gegenrechnet, wie lange man noch liegen bleiben kann, bevor es eng bzw. stressig wird. Auf der Arbeit, als Programmierer und Konstrukteur, setzt man Mathekenntnisse voraus. Da geht gar nichts ohne Mathematik. Oder auch beim Laufen wird Einiges gerechnet. Ob es Hochrechnungen sind, wann man ins Ziel kommt oder auch wie lange man für einen Kilometer gebraucht hat. 

Was liegt Ihnen bei der Förderung des Rechnens besonders am Herzen?

Dass die Schüler bzw. Erwachsenen das Rechnen nicht verlernen und sich nicht blind auf Taschenrechner oder Computer verlassen. Mittlerweile leben wir in einer digitalen Welt, in der man 1+1 in ein Gerät eintippen kann. Zeigt das Display das Ergebnis 3, rechnet jeder mit der 3 weiter und denkt nicht darüber nach, ob das überhaupt richtig ist. Oder dieser doch nur Binär in Dezimal umgerechnet hat. Damals, bei mir in der Schule, gab es immer einmal in der Woche eine Mathe-Stunde ohne Taschenrechner, nur Kopfrechnen. Sowas sollte viel öfter in der Schule eingeführt werden.

Bitte vervollständigen Sie den Satz: Eine Welt ohne Mathematik wäre ...

... nichts. Und selbst wenn es nur ein Häufchen Asche geben würde, so hätte die Mathematik mit der Gaußschen Normalverteilung wieder die Finger im Spiel. Denn jedes Teil, das man in der Natur sieht oder anfasst, hat etwas mit Mathematik zu tun. Ich hab mal einen passenden Spruch gelesen: "Mathematik ist nicht alles, aber ohne Mathematik ist alles nichts."