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Interview Michel Abdollahi

Im Experteninterview, das im Stiftung Rechnen Newsletter erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen.

Ausgabe September 2016

Waren Sie in der Schule immer gut im Rechnen oder hatten Sie auch mal Angst vor Mathe?

Eigentlich war ich in Mathe immer ganz gut, erst war es Lieblingsfach, insbesondere weil ich noch kein Deutsch konnte. Im Abi hatte ich Mathe als Prüfungsfach, da allerdings mit nicht mehr allzu sehenswerten Ergebnissen.

Mathematik im Alltag: Was fällt Ihnen spontan dazu ein?

Ganz viel, weil ich viel rechne. Seien es Flächen und Größen, Höhen, Breiten und Tiefen  für Kunstaktionen, Veranstaltungsräume und Bühnen oder auch beispielsweise, da ich viel unterwegs bin, das Umrechnen von Wechselkursen.

Wo rechnen Sie privat genau nach?

Wahrscheinlich bei der Steuer. Ich will ja nicht, dass sich da Fehler einschleichen.

Wann haben Sie sich mal so richtig verrechnet?

Ich musste neulich für ein Projekt ein Volumen berechnen. Es ging um ein großes Objekt, was ich zerteilen wollte. Ich habe einfach alle Grundmaße halbiert und dachte, so hätte ich die Hälfte des Volumens. War aber nicht richtig, es war ja nur ein Achtel.

Wie kann Mathematik bei der Integration von Flüchtlingen in unsere
Gesellschaft helfen?


Integration gelingt nur durch Kontakt zwischen den beiden fremden Welten. Gelingt es nicht Kontakt aufzubauen, schafft man auch kein Vertrauen. Die Sprache ist sicherlich zu Beginn das größte Hindernis. Mathematik kann helfen den ersten Kontakt herzustellen, um sich erst einmal kennenzulernen, denn sie ist universell und kann gleich am Anfang zu ersten Erfolgserlebnissen führen. Auf dieses gewonnene Vertrauen kann man dann weiter aufbauen.

Was sind Ihre eigenen Erfahrungen zur Verbindung von Mathematik und
Integration?


Als ich eingeschult wurde sprach ich noch kein Wort Deutsch. Das einzige Fach, wo ich mit meinen Mitschüler kommunizieren konnte, war Mathe. So gelang es erste Kontakte zu knüpfen, sich gegenseitig zu helfen und darüber Schritt für Schritt die Sprache zu lernen.

Eine Welt ohne Mathematik wäre …

...unmöglich.