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Interview Vince Ebert

Im Experteninterview, das im Stiftung Rechnen Newsletter erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen.

Ausgabe 01/2015

Vince Ebert ist studierter Physiker, Wissenschaftskabarettist, Autor und seit Dezember 2014 Mathe-Botschafter der Stiftung Rechnen.

Herr Ebert, Sie haben gesagt, dass jeder, der nicht rechnen kann, mit dem Schlimmsten rechnen muss. Wieso?
Mathematik prägt unseren Alltag. Wer kein Gefühl für Zahlen hat, fällt auf ein Nullprozent-Leasing herein, kann nicht abschätzen, ob eine Rentenerhöhung von 2 Prozent viel oder wenig ist oder er gibt mehr Geld aus, als er monatlich verdient.

Wie gut waren Sie in der Schule in Mathe?
Ich hatte das Glück, dass mir Mathe tatsächlich immer leicht gefallen ist. Dafür habe ich mich mit Sprachen schwer getan und musste viel üben, bevor ich einigermaßen gut Englisch sprechen konnte. Was ich damit sagen will: Das Argument „Mathe fällt mir schwer, das kapiere ich eh nicht“ ist oft vorgeschoben. Man muss im Zweifel halt ein bisschen mehr üben.

Sie haben sich nach Ihrem Schulabschluss für ein Physikstudium entschieden. Warum?

Ich fand es schon immer toll, herauszufinden, wie die Welt funktioniert und was hinter den Dingen steckt. Und vor allem: Was wir alles noch nicht wissen. Das ist übrigens eine ganze Menge!

Und dann sind Sie beruflich ganz woanders gelandet: Im Kabarett. Wie kam das?
Nach dem Studium habe ich erst in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Viele stutzen da erstmal. Und es stimmt: Als Physiker verstehen Sie von Beratung genauso wenig wie ein BWLer auch – dafür aber in der Hälfte der Zeit. Nach drei Jahren habe ich dann gedacht: Das kann nicht mein Leben sein. Ich habe gekündigt und bin quasi aus Frust am Job auf der Bühne gelandet...

Wie viel Mathematik steckt in Ihrem Bühnenprogramm?

Sehr, sehr viel. Wobei ich immer versuche, die Zahlen in eine verständliche Relation zu bringen. Wenn ich zum Beispiel erkläre, dass unser sonnennächster Planet Proxima Centauri 4,5 Lichtjahre entfernt ist, dann sagt das den Leuten erst mal nichts. Aber mit einem normalen Airbus wären Sie etwa 4 Millionen Jahre unterwegs. So viel Tomatensaft können die gar nicht mitnehmen.

Wo begegnen Sie der Mathematik im Alltag?
Wenn ich zum Beispiel auf Tour bin und im Feierabendverkehr abschätzen muss, ob ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h es in 30 Minuten noch von Frankfurt nach Mainz zum Veranstaltungsort schaffe...

Sie engagieren sich seit Ende letzten Jahres für die Stiftung Rechnen. Was gefällt Ihnen dabei besonders gut?
Die Mathematik kann jede Form von Werbung gebrauchen. Ich finde es schade, dass viele gebildete Menschen in Deutschland sich immer noch damit brüsten, schlecht in Mathe gewesen zu sein. Als ob das ein Verdienst wäre!

Mathematik hat nach wie vor kein wirklich gutes Image. Wie lässt sich das ändern?
In dem man das Thema spannend und mit einem anderen Blickwinkel vermittelt. In meinem früheren Bühnenprogramm „Denken lohnt sich“ habe ich zum Beispiel auf der Bühne erklärt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit schwanger zu sein tatsächlich ist, wenn der Schwangerschaftstest „positiv“ anzeigt. Da haben auf einmal alle jungen Leute aufgehorcht...

Zum Schluss noch ein Satz zum Vervollständigen: Die Welt ohne Mathematik wäre …
unberechenbar.