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Interview Prof. Beutelspacher

Im Experteninterview, das im Stiftung Rechnen Newsletter erscheint, berichten Matheexperten aus erster Hand über aktuelle Themen rund ums Rechnen.
Ausgabe 02/2011
Über mathematische Schlüsselerlebnisse, das Image der Mathematik und darüber, wie man sie am besten populär macht, sprechen wir in dieser Ausgabe mit Prof. Albrecht Beutelspacher, der an der Universität Gießen forscht und lehrt, dort das berühmte Mathematikum gegründet hat und für seine Verdienste rund um die Mathematik vielfach ausgezeichnet wurde.
Was fasziniert Sie an der Mathematik? Beschreiben Sie uns bitte Ihre erste Begegnung mit Zahlen.
Das Faszinierende an der Mathematik ist ihre Klarheit. Mein erstes Zahlenerlebnis: Ich machte mit meinem kleinern Bruder ein Spiel: Jeder sagt eine Zahl, wer die größere hat, hat gewonnen. Wir strengten uns beide furchtbar an, immer größere Zahlen zu finden - bis wir auf die Idee kamen, einfach auf die Zahl die der andere genannt hatte, mit "plus Eins" zu antworten.
Mathematik im Alltag - die wird doch immer mehr von Rechnern, Handys, Apps und Co. erledigt. Braucht man doch dann gar nicht mehr lernen, oder?
Zum Glück wird uns viel Rechenarbeit abgenommen. Aber Mathematik ist nicht nur Rechnen. Mathematik ist auch eine Art, die Welt zu sehen. Wir sehen die Welt, indem wir mathematische Begriffe wie zum Beispiel Symmetrie, Muster o. ä. anwenden.
Wird man als Mathematiker geboren oder hat man irgendwann ein Schlüsselerlebnis und ist dann einer?
Man hat ein Schlüsselerlebnis und merkt: man war schon immer einer.
Haben Sie eine Idee, warum Mathe in weiten Teilen der Bevölkerung ein schlechtes Image hat, oder warum der eine oder andere damit kokettiert, früher in der Schule in Mathe nicht gut gewesen zu sein und es trotzdem geschafft zu haben?
Die (traditionelle) Schulmathematik hat das Problem, dass sie den Schülerinnen und Schülern kaum Angebote macht, sich mit der Mathematik zu identifizieren. Insofern bleibt Mathematik für viele ein formales Gebilde, das sich weit weg von einem abspielt.
Wie macht man Mathematik am besten populär?
Dafür gibt es viele Wege: Experimente (zum Beispiel so wie im Mathematikum), Denksportaufgaben, Mathematik in der Natur oder in meiner Stadt, Anwendungen, Wettbewerbe, ...
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, das Mathematikum zu gründen und warum ist es so erfolgreich?
Es begann mit meiner Arbeit mit Studierenden, die geometrische Modelle herstellten und die zugehörige Mathematik erklärten. Daraus wurde eine Ausstellung, dann eine Wanderausstellung, und daraus entstand das Mathematikum. Also: Nicht ich habe es gewollt, sondern die vielen Besucher, die so begeistert waren, dass mir klar war: Das musst Du machen!
Sie haben sich sehr um die Mathematik verdient gemacht und sind dafür vielfach ausgezeichnet worden. Welcher Preis bedeutet Ihnen am meisten und warum?
Der Communicator-Preis der DFG, weil er dem Mathematikum Türen geöffnet hat.
Eines Ihrer neueren Bücher heißt "Beutelspachers kleines Mathematikum: Die 101 wichtigsten Fragen und Antworten zur Mathematik". Wie lauten die 101. Frage und Antwort?
Können Außerirdische unsere Mathematik verstehen? Antwort: Wenn intelligente außerirdische Wesen unseren Globus anschauen, dann ist Mathematik eines der wenigen Phänomene, die sie verstehen könnten.
Wir nehmen an, dass Ihr Herz in erster Linie für Mathematik in Theorie und Praxis schlägt. Welches ist Ihre zweitgrößte Leidenschaft?
Musik.
Bitte vervollständigen Sie folgenden Satz: Die Welt ohne Mathematik wäre ...
nicht lebensfähig.
